Fliegenmadenbefall beim Kaninchen

Fliegenmadenkrankheit (Myiasis) beim Kaninchen

Liebe Kaninchenbesitzer,

es ist wieder soweit, der Sommer ist da und mit ihm die Gefahr, dass Ihr Kaninchen von Maden befallen wird und daran entweder sehr stark erkrankt oder sogar verstirbt. Sie fragen sich jetzt bestimmt, was genau ich damit meine, wie das passieren kann, wie man solch einen Befall erkennt und behandelt und vor allem wie Sie ihn verhindern können? Genau auf diese Fragen möchte ich eine Antwort geben und Sie als verantwortungsbewusste Kaninchenhalter sensibel dafür machen, dass der Sommer eine nicht zu unterschätzende Gefahr für Kaninchen mit sich bringt.

Fliegenmadenbefall ist ein Problem, das hauptsächlich in den Sommermonaten auftritt. In diesen Monaten sind Fliegen sehr aktiv und nutzen mit Vorliebe die Haut von Säugetieren, um dort ihre Eier abzulegen. Als Hauptverursacher sind beim Kaninchen die Schmeißfliege, die graue Fleischfliege und die Schraubenwurmfliege bekannt. Legen die Fliegen ihre Eier auf die Haut des Kaninchens, entwickeln sich in kurzer Zeit daraus Maden, die sich in nur 4 Stunden durch die Haut bohren und eine Lebensgefahr für Ihr Tier darstellen, denn im Körper produzieren sie Giftstoffe, die beim Kaninchen einen Schockzustand hervorrufen. Wenn Sie also Maden auf der Haut Ihres Kaninchens entdecken, ist dringend Eile geboten!

Mögliche Ursachen für einen Fliegenmadenbefall können sein: Zahnerkrankungen des Tieres, Durchfall (oft durch falsche Nahrungsaufspaltung hervorgerufen, die von einer Zahnfehlstellung herrührt), offene, infizierte Wunden, Fettleibigkeit und Lähmungen (verursacht durch Rückenerkrankungen) sowie mangelnde Stallhygiene. Verschmierte und verschmutzte Analregionen oder offene Wunden des Kaninchens bieten den Fliegen das perfekte Nest für ihre Eier und bringen somit das Kaninchen in Lebensgefahr.

Als subklinische Symptome gelten Kratzanfälle, Apathie, Gewichtsverlust, Schock und Bewegungsunlust. Zu den offensichtlichen Symptomen, an denen man einen Madenbefall erkennt, gehören sichtbare Löcher, die entstehen, wenn sich die Maden ins Innere bohren, Schwellungen, Haarverlust, abgestorbene Hautareale (Nekrosen) und natürlich kriechende Maden auf der Haut des Kaninchens.

Stellen Sie derartige Symptome fest, müssen Sie unverzüglich Ihren Tierarzt aufsuchen, um dem Tier unerträgliche Schmerzen zu ersparen!

Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der Erkrankung. Ist der befallene Bereich schon sehr groß, beziehungsweise haben sich die Maden schon bis in die Bauchhöhle vorgearbeitet, sollte das Kaninchen unbedingt vor der Behandlung in Vollnarkose gelegt werden; in ganz schlimmen Fällen sollte eine Euthanasie des Tieres erwogen werden.
Die Behandlung beginnt in der Regel damit, dass das Fell an den betroffenen Partien großflächig entfernt und jede einzelne Made mit der Pinzette abgenommen wird. Alle Wundbereiche sollten mit einer milden Seife gereinigt und anschließend gut getrocknet werden.
Besteht der Verdacht, dass sich noch weitere Maden im Kaninchen befinden, sollte unbedingt ein Insektizid verabreicht werden.
Außerdem sollte das Tier mit Antibiotika und einem Schmerzmittel versorgt werden. So können weitere Infektionen der Haut und Wundhöhlen verhindert werden und das Kaninchen muss weniger Schmerzen aushalten.

Doch was können Sie tun, um einen Madenbefall bei Ihrem Kaninchen zu verhindern?

Grundsätzlich sollten Sie täglich mindestens einmal die Kot- und Urinstellen im Käfig entfernen und neu einstreuen. Des Weiteren sollten Sie sich morgens und abends (mindestens aber auch einmal täglich) die Analregion anschauen und verschmierte Haare entweder reinigen oder sogar abschneiden. Je sauberer die Analregion des Tieres ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit eines Befalls. Kaninchen mit Durchfall oder offenen Wunden müssen unbedingt im Haus gehalten werden. Aber auch hier muss die Vorsicht walten und eine regelmäßige Kontrolle stattfinden. Fenster können mit Insektenschutzgittern versehen werden, um das Eindringen von Fliegen in das Zimmer zu verhindern.

Als wichtigste Vorbeugemaßnahme gilt die regelmäßige Kontrolle des Tieres, da auch bei größter Hygiene ein Fliegenmadenbefall nicht verhindert werden kann. Durch die Kontrolle kann der Befall aber schnell erkannt werden und die frühzeitige Behandlung durch den Tierarzt kann Schlimmeres verhindern.

Tanja Backmann